Sektion Solingen im Deutschen Alpenverein e.V.
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Hochtouren Berichte

„Über bröselnde Gipfel und schwindende Gletscher“ 

Bergsteigen in Zeiten des Klimawandels - oder eine Hochtour durch die Stubaier Alpen

Mehrtägige Gemeinschaftstouren von Mitgliedern der Hochtourengruppe der Sektion sind seit Jahren fester Bestandteil unserer gemeinsamen Aktivitäten. Nachdem es uns in den letzten Jahren in die Ötztaler Alpen gezogen hatte, waren dieses Mal die Stubaier Alpen unser Ziel. Deren Beschreibung durch Walter Kier im Alpenvereinsführer als ein „Paradies für Bergsteiger“, das man am besten auf großen Durchquerungen über Gipfel und Gletscher erkunde, ließ uns nicht lange zögern und so starteten wir zunächst mit drei Mann, Eberhard Evertz, Peter Kaufmann, Wolfhard Schwarz, am Samstag dem 12.08. um 02:15 Uhr von unserem Treffpunkt in Solingen, um Stunden später in Stuttgart noch den Vierten im Bunde, Fred Bühler, aufzunehmen. Zur Mittagszeit erreichten wir Falbeson im Hinteren Stubaital, den Ausgangspunkt für unsere Tour.

Nach der überwiegend verregneten Anfahrt schien sich bei unserer Ankunft im Stubaital die günstige Prognose des DAV-Wetterberichts für diesen Tag zu bewahrheiten. Doch setzte wenige Minuten nachdem wir unserem Aufstieg zur Neuen Regensburger Hütte begonnen hatten, konstanter Nieselregen ein. Steter Tropfen höhlt den Stein und so waren wir froh, nach 3 Std. und gut 1000 Höhenmetern die trockene und geheizte Hütte zu erreichen, wo wir bei guter Verpflegung und guten Wetteraussichten für die nächsten Tage zufrieden in unsere Betten sanken.

 

Am Gipfelkreuz des Zuckerhütls, Stubaier Alpen (Foto F. Bühler)

Der nächste Tag zeigte uns dann in aller Deutlichkeit, was Bergwandern und –steigen in Zeiten des Klimawandels bedeutet! Unser Weg führte uns von der Neuen Regensburger Hütte in südwestlicher Richtung über das „Grawagrubennieder“, eigentlich ein unschwieriger Jochübergang auf ca. 2.900 m, doch die massiven Regenfälle und Unwetter Anfang August hatten den drahtseilversicherten Aufstieg weggerissen. So fanden wir uns in einer Schuttrinne wieder, die wir nicht umgehen konnten, die aber auch kaum greifbaren Halt bot und wegen des abnehmenden Permafrosts bei jedem Schritt unter einem wegbröselte. Eine Erfahrung, die wir auf unserer Tour leider noch häufiger machen mussten! Da wir für diese Passage deutlich länger brauchten als veranschlagt, nahmen wir von unserem ursprünglichen, ambitionierten Tagesziel (Amberger Hütte) Abstand und waren froh, auf der Dresdner Hütte unterkommen zu können. Wobei „Hütte“ eigentlich der falsche Begriff ist, Berghotel trifft es besser. Aufgrund ihrer Lage im oberen Fernautal und ihrer Liftanbindung von der Mutterbergalm gaben sich hier Bergsteiger, Wanderer auf dem Stubaier Höhenweg aber auch Tagestouristen und Spaziergänger ein Stelldichein. Entsprechend gut besucht war nicht nur die Außengastronomie.

Der nächste Tag führte uns dann in nordwestlicher Richtung über den Hinteren Daunkopf (3.225 m) in einer luftigen Gratkraxelei ins Sulztal zur Amberger Hütte. Auch hier war es entsprechend voll, da die benachbarte Sulzenauhütte wegen massiver Unwetterschäden (!) kurzfristig geschlossen war und viele Wanderer auf andere Quartiere ausweichen mussten.

Über den Sulztalferner, Stubaier Alpen (Foto F. Bühler)

Nach einem etwas hektisch geratenen Frühstück, bei dem alle Gäste in der „Frühstücksecke“ umeinander wuselten, verließen wir die Amberger Hütte durch das Sulztal in südlicher Richtung und querten den Sulztalferner in west-östlicher Richtung zum Daunjoch. Während die eigentliche Gletscherquerung unschwierig verlief, stellte uns der Aufstieg vom Gletscher aufs Daunjoch erneut vor klimabedingte Probleme: den früher in einer Rinne mittig verlaufenden Aufstiegspfad gab es nicht mehr, stattdessen bröseliger Untergrund, wohin wir auch traten. Auch die Seitenränder waren heikel; kein beherzter Griff bot Halt, jeder Schritt barg die Gefahr neuen Schutt in die Rinne zu befördern; und so tänzelten und balancierten wir – Prima Ballerinas in Bergstiefeln nicht unähnlich - zum oberen Rand dieses Gebrösels. Nach erneuter Rückkehr zur Dresdner Hütte ließ sich unser Frust über die schlechten Bedingungen mit einem zünftigen Bier herunter spülen und die Aussicht auf eine warme Dusche stimmte uns fast schon wieder versöhnlich. Aber ein Restgrummeln blieb und das erhielt am folgenden Tag neue Nahrung.

Der Aufstieg von der Dresdner Hütte in südwestlicher Richtung über Eisgrat, Eichjoch und die traurigen, teils abgedeckten Reste des Schaufelferners zeigten uns erneut, wie schnell das Abtauen der Gletscher aktuell voranschreitet. Wo wir selbst noch vor drei Jahren auf unserer Runde von der Hochstubaihütte über den Windacher Ferner kommend am Eisjoch Selbiges vorfanden, erstreckt sich heute nur noch Geröll und Schotter. Da entschädigte auch der Blick von der Schaufelspitze (3.333 m) nicht, im Gegenteil, der zeigte uns nur die Misere in ihrer gesamten Dimension.

Sulztalferner, Stubaier Alpen (Foto F. Bühler)

Über die kargen Reste des Gaiskarferners stiegen wir in südöstlicher Richtung zur Hildesheimer Hütte ab, unserem Quartier und Ausgangspunkt für unsere „Königsetappe“ am nächsten Tag, die uns über den Pfaffenferner, das Pfaffenjoch und den Pfaffensattel aufs Zuckerhütl, mit 3.505 m der höchste Gipfel der Stubaier Alpen, und von dort über den Wilden Pfaff (3.458 m) und den Übeltalferner zum Becherhaus (3.190 m) führen sollte.

Früh gestartet und bei guten Witterungsbedingungen erreichten wir den Gipfelaufbau des Zuckerhütls, um von dort die letzten Meter zum Gipfel in Angriff zu nehmen.

Genauso überrascht wie über die abnehmenden Eismassen der Gletscher war ich, als ich beim Abstieg ganz deutlich meinen Namen hörte und plötzlich Stefan Mertens, Fachübungsleiter Bergsteigen der Sektion, mit seinem Sohn Dennis vor mir stand, die vom Becherhaus kommend, Zuckerhütl und Wilden Paff als Tagesziel ausgewählt hatten. Ja, die Welt ist klein, und wo trifft man sich – am Berg! Nach kurzem „Hallo“ stand für uns noch die Überschreitung des Wilden Pfaff an, mit Firn und Blockwerk im Aufstieg und Gratkletterei im Abstieg. Dabei erwies sich der Übertritt vom Grat auf den Übeltalferner wegen der brüchigen und Eis durchsetzten Geländestruktur zum Schluss noch einmal als besonders tückisch.

Auf die dann anstehende Querung des Übeltalferners in östlicher Richtung mit dem Becherhaus vor Augen, hatte ich mich besonders gefreut. In meiner Erinnerung hatte ich das Bild einer durchgängig vergletscherten Fläche umrahmt von Sonklarspitze, Wilder Pfaff und Wildem Freiger vor Augen und auf dem Becherfelsen kühn hervorragend, das Becherhaus. Das Bild hat sich grundlegend geändert. Heute thront das Becherhaus über einer schmutzig wirkenden, grau-schwarz überzogenen Masse an Resteis, mit immer größeren Löchern, in denen der darunterliegende Fels sichtbar wird. Den mit Eisen, Krampen und Leitern versehenen Zustieg vom Übeltalferner über die Becherscharte gab es in meiner Erinnerung ebenso wenig wie den heutigen „Normalweg“ zum Wilden Freiger – drahtseilversichert über den Grat – ohne den Gletscher zu betreten!

Dermaßen abgefüllt mit desillusionierenden Eindrücken machte es uns dann auch nichts mehr aus, dass das Wetter am nächsten Tag umschlug und uns zunächst zäher Nebel auf unserem langen Abstieg vom Becherhaus über den Wilden Freiger und die Nürnberger Hütte zurück ins Stubaital einhüllte. Der Nebel löste sich im Tagesverlauf auf, es blieb trocken und so konnten wir in der Sonne sitzend auf das erfolgreiche Ende unserer Tour anstoßen. Frisch geduscht und gekleidet haben wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen bei einem leckeren Abendessen noch lebhaft diskutiert bevor es am nächsten Morgen für die meisten zurück in die Heimat ging.

Was bleibt nach solch einer Tour? – Die Erinnerung an eine tolle Zeit mit viel Spaß, viel guter Laune und guten Gesprächen in unserer „Männerrunde“. Vielen Dank dafür an Fred, Eberhard und Peter, aber auch einige Fragen! Kann man Hochtouren demnächst nur noch in den Westalpen unternehmen? Müssen wir unsere bergsteigerischen Aktivitäten in den kommenden Jahren deutlich früher starten, etwa bereits Anfang Juni? - Aber was nutzt eine gute und umsichtige Planung, wenn einem plötzlich der „Berg entgegenkommt“ wie kürzlich in Bondo im Bergell?

Die Bedingungen des Bergsteigens (nicht nur in den Zentralalpen) ändern sich gerade massiv - und wir müssen es auch!

 

Ein nachdenklicher Wolfhard Schwarz

Becherhaus, Stubaier Alpen (Foto E. Evertz)
Gruppenfoto Watzmann (Juli 2013) Gruppenfoto Watzmann (Juli 2013) Foto: Hochtourengruppe

Watzmann-Überschreitung 2013 (21.-23.07.13)


Nach mehrmaligem Verschieben der Tour wegen schlechtem Wetter hatten wir nun scheinbar den perfekten Termin gefunden. Aufgrund der zu erwartenden Staus anlässlich des Ferienbeginns in NRW starteten wir am frühen Sonntag in Solingen zu unserer dreitägigen „Genuss-Tour“. Neben Wolfhard Schwarz als Tourleiter hatten Birgit Drechsler und Stephanie Wigger zugesagt. Kurzfristig bin ich dann noch mit eingestiegen.


Nach einer anstrengenden Anfahrt durch die Nacht stand zunächst der Aufstieg (ca. 1300 Hm) von der Wimbachbrücke in Ramsau zum Watzmannhaus auf dem Programm des ersten Tages. Bei sengender Sonne und in steilem Gelände floss der Schweiß in Strömen.
Die erste verdiente Pause hatten wir auf der kleinen Mittelkaseralm. Nach einer kühlen Erfrischung ging es weiter zum Watzmannhaus auf 1930 m.
Nachdem wir unser Lager bezogen hatten und uns mangels Dusche am Waschbecken frisch gemacht haben, konnten wir einen wunderbaren Nachmittag und Abend auf der Terrasse mit fantastischem Ausblick ins Berchtesgadener Land und einen tollen Sonnenuntergang genießen.
Das Essen war sehr gut. Und obwohl von der Menge ausreichend, teilten wir uns 2 leckere Portionen Kaiserschmarrn als Nachtisch. – Den hatten wir uns verdient!
Der Abend auf der sehr gut besuchten Hütte war schnell vorbei. Trotzdem konnten wir noch die ein oder andere Watzmannüberschreiter-Gruppe kennenlernen, auf die wir am nächsten Tag bei fast jeder Pause wieder trafen.


Nach einer kurzen Nacht und typischem Hüttenfrühstück (3 Scheiben Brot, Marmelade oder Käse/Speck, plus Getränk) starteten wir am nächsten Morgen um 7:30. - Die letzten waren wir nicht, aber bei weitem nicht die ersten.
 

Bei blauem Himmel und Sonnenschein ging es zuerst in Serpentinen später steil bergauf zum Hocheck (2651 m). Hier begann die eigentliche „Überschreitung“. Mit Gurt und Klettersteigset ging es weiter zur Mittelspitze (2713 m), dem höchsten Gipfel der Watzmann-Gruppe, immer am Grat lang, mäßig rauf und runter. Die ganze Tour über hatten wir eine tolle Aussicht auf die umliegenden Berge und den Königssee, die wir in den Pausen besser genießen konnten, denn während des Gehens mussten wir mehr auf unsere Füße achten; die geforderte Trittsicherheit war absolut notwendig!


Die schönsten, ausgesetzten Stellen kamen - wie in vielen Tourenberichten beschrieben - auf dem weiteren Weg zur Südspitze (2712 m). Steile Kletterstücke waren zu bewältigen, sehr schmale Grate zu überwinden; teils mit Sicherung, aber auch Vieles ungesichert. Das hat so manchem zu schaffen gemacht, sind doch Mitglieder anderer Gruppen teils auf allen Vieren über den Grat gekrochen. Aber es sind uns auch andere begegnet: in Turnschuhen und ohne jegliche Sicherung!

Auf der Südspitze angelangt, an der auch die berühmte Kletterroute durch die Ostwand endet, fühlten wir uns angemessen „geschafft“. Im Wimbachtal konnten wir bereits unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit erkennen, auf die wir uns schon freuten. Was der Weg dorthin uns noch abverlangte, war allerdings nicht wirklich zu erahnen. Der Abstieg sollte uns nämlich die letzten Kräfte rauben. Nach etlichen Kehren, steilen Schotterwegen, endlosen Serpentinen im Wimbachgries brannten die Oberschenkel doch ordentlich. Die Trinkreserven waren mittlerweile auch erschöpft, denn man kann man auf dem ganzen Weg nirgends nachfüllen.
 

Endlich auf der Wimbachgrieshütte angekommen, wurde der Flüssigkeitshaushalt mit 1 Maß Schorle und 2 weiteren Halben wieder aufgefüllt. Hier trafen wir viele „Überschreiter“ wieder, von denen einige an diesem Tage noch weitere zwei Stunden Abstieg zum Wimbachbrücke vor sich hatten, während wir froh waren, bei „Kaspressknödl“ und Bier/Radler die Füße schonen zu können. Zum strickten Zapfenstreich um 22:00 Uhr hatten wir – nicht zuletzt durch diverse Haselnussbrände - die nötige Bettschwere erreicht. Trotz angekündigtem Schnarcher war es eine ruhige Nacht, zumindest für alle, die den Alkohol vertragen haben...
 

Dienstag durften wir dann die letzten 700 Hm über einen wunderschönen Waldweg hinunter wandern. Kurz zuvor musste ich doch tatsächlich den Preis für nicht ordentlich geschnürte Schuhe zahlen. Verhedderte sich doch eine Schlaufe des linken Schuhs im Rechten und brachte mich jäh zu Fall. Gott sei dank im weichen Sand. Nicht dran zu denken, wenn das auf dem ungesicherten Gratstück passiert wäre!
Nach einem Abschluss-Getränk in Ramsau ging es dann wieder auf die Autobahn nach Hause. Ziemlich fertig, auch durch den Schlafentzug, kam dann das eigene Bett wie gerufen.

 

Wir haben viel gelacht und werden bestimmt wieder zusammen eine Tour machen.

 

Frank Hofmann

Gruppenfoto Venter Runde (2015) Gruppenfoto Venter Runde (2015)

„Venter Runde“ - 8 Tage feinster Ötztaler Bergkulisse (25.07. – 02.08.2015)

 

Während die meisten Bundesbürger in diesem Sommer über die Hitze stöhnten, haben wir (Wolfhard, Eberhard, Ioana, Peter, Andreas und Christian) in weiser Voraussicht für die heiße Jahreszeit, unseren gemeinsamen Hochtourentrip geplant - und genießen können.

Los ging es für die Solinger schon recht früh, war der Treffpunkt doch schon Samstagmorgen um 02.15 Uhr. Nach pünktlicher Abfahrt wurden unterwegs noch schnell in Buchholz das Auto (Christian) gewechselt und in Frankfurt das zweite Auto (Andreas) besetzt. Ohne nennenswerten Stau oder sonstige Hindernisse erreichten wir um ca. 13.00 Uhr Vent im Ötztal. Leider kam es hier zu der einzigen Verspätung im ganzen Urlaub: Wir hatten die Rechnung ohne den Ticketautomaten am Parkplatz gemacht. Dieser weigerte sich konsequent, ein zweites Ticket auszustellen. Nachdem der halbe Ort nach Hilfe abgesucht war, konnten wir dann mit dem Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte (2501m) beginnen und 3 Stunden später das erste wohlverdiente „Stiegl“ in der Hütte genießen.

Der nächste Tag stand dann ganz im Zeichen des Genusses: bestes Wetter geleitete uns auf die Kreuzspitze (3455m) und ermöglichte eine fantastische Sicht auf die umgebende Bergkulisse. Bei soviel gebotenem Panorama verbrachten wir eine Stunde auf dem Gipfel bevor es dann wieder zur Martin-Busch-Hütte ging.

Tag Drei startete mit dem Aufstieg zur Similaunhütte (3017m), wo wir unser Gepäck abstellten und direkt weiter auf den Similaun (3606m) stiegen. Beim Abstieg wurde der Gletscherweg dann noch zusätzlich von einem Teilnehmer mit Brotkrumen oder Ähnlichem punktuell markiert (auf mehreren Hütten der Region grassierte leider eine Magen-Darm-Infektion, was auch in unserer Gruppe zeitweise für Einschränkungen und Ausfall sorgte).

Am vierten Tag ging es dann über die Ötzi-Fundstelle und die Finailspitze (3514m) hinab bis zum Hochjochhospitz (2413m).

Der fünfte Tag begann mit viel Nebel, der sich aber bis zum Erreichen des Kesselwandferners in Sonnenschein aufgelöst hatte. Schnell die Gletscherausrüstung anlegen und weiter Richtung höchster DAV-Schutzhütte, dem Brandenburger Haus (3277m). Schnell das Lager beziehen und nochmal raus, denn die Dahmannspitze (3401m) rief. Wieder zurück in der warmen Stube (es war wirklich warm, der Ofen bollerte vom feinsten und alle ärgerten sich, dass wir den Saunaaufguss daheim vergessen hatten) konnten wir dann erneut die Gastfreundschaft der Familie Pirpamer genießen.

Weiter ging es am nächsten Tag über den Fluchtkogel (3500m) und das obere Guslarjoch hinab über den Guslarferner bis zur Vernagthütte (2755m), welche Gott sei Dank Kaltgetränke in größerer Menge bereitstellen konnte.

Von der Vernagthütte starteten wir dann am nächsten Morgen bei schönstem Wetter zur Breslauer Hütte (2844m). Keine 3 Stunden später saßen wir schon auf der Terrasse und überlegten uns bei so viel Freizeit noch schnell auf den Urkundholm (3134m) zu steigen, um für die Wildspitze am nächsten Tag bereit zu sein.

Ich kann bezeugen, dass alle Teller am Abend leer waren, doch leider wurde das Wetter am nächsten Tag schlechter. Der Zustieg über Geröllfelder, die 45 Grad Rinne und der Klettersteig (B/C) wurden noch bei einigermaßen gutem Wetter gemacht und das Mitterkarjoch (3475m) zügig erreicht, so wurde es 100 Höhenmeter später doch schon sehr nebelig mit beginnendem Schneefall. Was nützt der schönste Berg, wenn man die Hand vor Augen kaum sieht. Kurz abgestimmt, und marsch marsch umkehren. Gegen Nachmittag erreichten wir dann Vent und die Pension Eberhard. Familie Fimml kümmerte sich hervorragend um uns, sei es mit Lokalempfehlungen, Einkaufstipps und zur guter Letzt mit dem Vorschlag, das Feuerwehrfest am Abend zu besuchen. Vorher haben wir noch das gute Essen im „Hotel Post“ in Vent genossen und gelernt, dass „Alter“ etwas feines ist, insbesondere wenn es in Form Alter Marille, Alter Himbeere und Alter Birne daher kommt; vom sehr netten Personal auch noch ein Glas geschenkt bekommen und dann zum Fest. An dieser Stelle auch einen herzlichen Gruß an Markus Pirpamer (Hüttenwirt Similaunhütte), der nicht nur auf der Hütte super ist, sondern auch abends im Bierzelt noch lange mit uns geklönt hat.

Ich möchte mich nochmals ganz herzlich bei Wolfhard für die Planung bedanken und natürlich bei der ganzen Truppe für die tollen gemeinsamen Tage.

 

Dr. Christian Honert

Aufstieg zum Großvenediger, Hohe Tauern Aufstieg zum Großvenediger, Hohe Tauern, 2012 Foto: Peter

Von Edelweiß bis Großvenediger ( Westliche Tauern 14.-21.07.12 )

 

Endlich Juli, endlich Urlaub und nun schnell in die Berge. Die Tourenplanung durch Fred war schon bestens ausgearbeitet, selbst das „Trockentraining mit Spaltenbergung“ war bereits 3 Wochen zuvor erfolgreich in den Solinger Alpen absolviert und nun, mit genug Hummeln im Hintern, trafen wir uns am ersten Tag im Virgental. Der Aufstieg zur Essen-Rostocker-Hütte wurde quasi im Lauf bewältigt, was nicht an der Kondition sondern eher am durchwachsenen Wetter lag. So ein bissel Gewitter motiviert doch ungemein;-) Vorteil: mehr Zeit für den geselligen Hüttenabend, der bei guter Laune, gutem Essen und einer Runde Wetterkunde leider viel zu schnell ging.

Der zweite Tag bot dann wettertechnisch von allem etwas, so dass wir unterwegs die Ausrüstung auf Herz und Nieren testen konnten. Aufstieg zum Türmljoch im Halbnebel, Abstieg zur Johannishütte mit Schnee, weiter über die Sajat-Scharte mit Sonne-Wolken-Wechselspiel, freudig untermalt von den ersten Edelweiß, um dann bei bedecktem Himmel die Sajathütte zu erreichen.  Unerklärlicher Weise lagen heute alle sehr früh im Bett;-)

Der nächste Morgen sorgte dann für wahre Euphorie: Die Wetterlage hatte sich zum Besten gewandelt, Sonne und Bergpanorama vom feinsten. Neben Bergkulisse und Fauna glänzte Gerlinde mit ihrem Botanikwissen, leider konnte ich mir nur „Kohlröschen“ und „Teufelskralle“ merken.  Dieser Tag war der „psychologisch schwerste“, denn man konnte schon lange vor Erreichen unser heutiges Etappenziel, die Bonn-Matreier-Hütte, sehen. Ich dachte schon an eine Fata Morgana als uns die Hüttenwirtin mit Obstler entgegen eilte.

Am folgenden Morgen starteten wir in Richtung Badener-Hütte, schnurstracks durch die Galtenscharte inklusive garantiertem Tiefblick.  Der weitere Teil der Tagesetappe schlängelte sich am Hang entlang und lud zur Brotzeit ein. Ein paar Höhenmeter später war das Ziel auch schon erreicht. Den späteren Nachmittag verbrachten wir dann mit einer lustigen Theorieeinheit, die ein wenig an einen Bondage-Kurs erinnerte, sich aber „behelfsmäßiges Abseilen“ nannte;-)

Tag 5 wurde dann zur Generalprobe: Bei traumhaften Wetter, mit Blick auf Kristallwand, Kleiner Venediger und Neue-Prager-Hütte, trainierten wir unterwegs für den Gipfeltag. In der Seilschaft mit Steigeisen und Pickel überquerten wir die Gletscherzunge. Sonnenbrand gab es oben drauf.  Auf der Hütte wurde noch ein wenig Sonne getankt, um dann schnell ins Bett zu fallen, da der nächste Tag ja zum Gipfelsturm rief.

Was macht der Alpinist im Urlaub? Richtig: Freiwillig um 4:30 Uhr aufstehen, Nahrung fassen und aufrödeln (bei der Bundeswehr war das irgendwie mit weniger Spaß verbunden). Sonnenaufgang über der Glocknergruppe, klarer Himmel und Temperaturen knapp über Null versprach schon Einiges. Knapp vier Stunden später am Gipfelkreuz des Großvenedigers war die Euphorie grenzenlos: Bei obligatorischem Gipfelschnaps wurde die Fernsicht stillschweigend genossen, der Blick wanderte von Zugspitze über Großglockner bis zu den Dolomiten. Einziger Wehrmutstropfen waren die im Westen aufziehenden Gewitterwolken.  Nach weiteren 2 Stunden wurde dann die Gletscherausrüstung abgestreift und nochmals ausführlich Sonne getankt, stand doch bald der Abschied an. Das Defreggerhaus nur für uns, ein super Tourausklang.

Der letzte Tag führte uns dann bei erneut schlechtem Wetter über die Johannishütte (noch schnell ein Kaiserschmarrn, so viel Zeit muss sein) zurück zum Parkplatz in Ströden, wo es dann leider Abschied nehmen hieß.

Vielen Dank an Fred für die super Tourenplanung, das Know-How der Theorieeinheiten und natürlich auch an Sybille, Gerlinde + Wolfhard, Peter und Martin für unvergessliche Bergmomente.

Dr. Christian Honert

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