Drei Zinnen | © Claudia Simon

Auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr. 4 (09. – 16.08.26)

Von Sexten nach Pieve di Cadore

22.10.2026

Der Dolomiten-Höhenweg Nr. 4 gehört mit einer Länge von 90 km nicht zu den längsten, aber zu den landschaftlich interessantesten Weitwanderwegen durch die Südalpen. Der Höhenweg startet zwar im Pustertal in Innichen, aber aus logistischen Gründen war der Parkplatz vor der Rotwandbahn in Sexten-Moos als Treffpunkt ausgemacht worden. 

Am 9. August kurz vor 15:00 Uhr waren alle auf dem Parkplatz vor der Rotwand-Seilbahn in Sexten-Moos eingetroffen: Die Gruppe mit Wolfhard, Anke, Cari und Tobias, die direkt aus Solingen angereist sind; Kerstin und Jürgen aus dem Berchtesgadener Land; Claudia, Michael, Arnim, Carsten und Eberhard, die bereits eine Woche in den Brenta-Dolomiten unterwegs waren, sowie Ioana und Andreas, die aus Hessen angereist sind. Eine Stunde später trafen wir uns dann im Biergarten der Talschlusshütte, um auf den Beginn der Höhenroute anzustoßen.

Überhaupt: Die Talschlusshütte ist für eine Hütte komfortabel ausgestattet, Duschen, bequeme Stockbetten mit Leselicht und Ablagen am Bett. Vom hervorragenden Abendessen und dem reichhaltigen Frühstück kann man nur schwärmen. Der Abend konnte ausklingen mit der atemberaubenden Aussicht auf die fast 3.000 m hohe Sextener Rotwand und die anderen Gipfel der Sonnenuhr.

Montag, 10.8.:  Talschlusshütte – Dreizinnenhütte – Auronzohütte – Rifugio Fonda Savio (Total: 15 km, 1320 m ↑, 520 m ↓, 9 h)

Zum Frühstück am nächsten Morgen wurde eine kleine Geburtstagsfeier für Carsten ausgerichtet, Kuchen und Kerzen inbegriffen. Bei schönstem Wetter ging es unterhalb des Einserkofels, später vorbei am Toblinger Knoten, zur Dreizinnenhütte. Nach einer ersten Pause umgingen wir die Drei Zinnen auf der westlichen Seite bis zur Auronzohütte, von wo wir unser nächstes Ziel, die Cadini di Mesurina mit ihren schroffen Spitzen in den Blick nehmen konnten. Das hieß auch Abschied nehmen von den relativ bequemen T2-Wanderwegen, wir mussten uns jetzt mit T3-Wegen auseinandersetzen, die nur an einigen diffizilen Stellen über Ketten gesichert waren. Der restliche Weg zog sich und zur Fondo-Savio-Hütte war noch einmal ein Schlussanstieg zu leisten. 

Die Fondo-Savio-Hütte ist eine CAI-Hütte mit 20 Betten und 10 Lagerplätzen und liegt auf 2.367 m. Von der Terrasse aus konnten wir die untergehende Sonne mit dem Blick auf die Croda Rossa und ins Tal von Schluderbach genießen.

 

 

Dienstag, 11.8.: Rif. Fonda Savio – Rif. Città di Carpi (Total: 280 m ↑, 520 m ↓, 2,50 h)

Dienstagmorgen begrüßte uns mit Sonne und leicht bewölktem blauen Himmel. Gegenüber der langen und anstrengenden Etappe des Vortages versprach die vor uns liegende Strecke zum Rifugio Città di Carpi eher genussbetont zu verlaufen. Trotzdem forderte der T3-Wanderweg durch das schroffe Kalksteingebirge der Cadini-Türme durchaus unsere Aufmerksamkeit. Gegen 13 Uhr waren wir an der Città di Carpi Hütte auf 2.100 m angekommen und konnten uns bis zum Einchecken dem Nachfüllen von Flüssigkeit widmen. Pünktlich zum Abendessen wurden wir noch durch einen wunderschönen Regenbogen belohnt. Die 22 Betten wurden vorwiegend von uns belegt, waren allerdings durch die durchgelegenen Matratzen auf Drahtgeflecht Unterfederung nicht wirklich bequem.

Mittwoch, 12.8.: Rif. Città di Carpi – Rif. Vandelli (Total: 9,75 km, 630 m ↑, 800 m ↓, 4,50 h)  

Am 4. Tag unserer Tour verließen wir die Cadini-Gruppe, um in die Felsräume der Sorapiss einzusteigen. Dazu hieß es, erst einmal 800 hm über die Malga Maraia bis nach Valbona abzusteigen. An der Valbona-Brücke wurden wir durch ein gedrucktes Hinweisschild in einer Klarsichthülle irritiert: “Sentiero ferrata F. Berti wegen Felsabsturz gesperrt”. Dieser Klettersteig sollte allerdings ein Teilabschnitt der für den nächsten Tag geplanten Tour sein. Naja, der Hinweis ist datiert 2025, vielleicht ist er ja wieder freigegeben! Also weiter für die 4 km im Aufstieg (620 hm) zum Sorapiss-See. Der Aufstieg war anstrengend mit Steigungen bis zu 40%, der Rucksack drückte auf den Rücken und die schwüle Witterung machte es auch nicht besser. 

So waren wir froh, als wir gegen 13:00 Uhr am Refugio Vandelli ankamen. Zuerst einmal den Durst löschen! Der Biergarten vor der Hütte war gut belegt durch Tagestouristen. Getränke und kleinere Speisen konnten in einem Kiosk neben dem Refugio gekauft werden, allerdings war die Toilette wegen Wassermangels gesperrt. Wohin mit der eingefüllten Flüssigkeit? Blieb wohl nur Ausschwitzen oder der Weg in die Büsche hinter der Berghütte. Das gut sichtbare Schild, welches auf die Verhaltensregeln im Nationalpark aufmerksam machen sollte, zu denen nicht der Toilettengang in freier Natur zählte, war wohl nur Attrappe. Ich kann verstehen, dass die Betreiber der Hütte durch den Wassermangel in eine Zwangslage geraten, aber so wird Naturschutz ad absurdum geführt und es gibt bewährtere Lösungen für dieses Problem.

Glücklicherweise konnten wir als Übernachtungsgäste die Toilette in der Hütte nutzen, aber für die Körperpflege war Minimalismus angesagt, weil das Wasser aus dem Wasserhahn mehr tröpfelte als floss.

Leider mussten wir auch anerkennen, dass die befürchtete Sperrung immer noch aktuell war, so dass Wolfhard uns die Ausweichvariante für den kommenden Tag präsentieren musste. Doch davon später mehr.

Dass das Refugio Vandelli derart überlaufen war, hatte einen ganz besonderen Grund: Der in der Nähe gelegenen Sorapiss-See ist wohl einer der schönsten Orte in diesem Teil der Dolomiten, ein magischer Platz mit dem türkisblauen See, weißen Felswänden und Almwiesen im Hintergrund. Natürlich waren jede Menge Leute damit beschäftigt, für Ihren Instagram- oder Tiktok-Auftritt zu posieren. Am späteren Nachmittag hatten die Tagestouristen diesen wunderschönen Platz wieder geräumt und wir konnten die Aussicht wirklich genießen. 

5. Tag (Do., 13.8.): Rif. Vandelli – Rif. San Marco (Total: 10,4 km, 930 m ↑, 1.040 m ↓, 9,50 h)

Unser nächstes Ziel, das Rifugio San Marco, liegt südlich der Sorapiss-Gruppe. Vom Rifugio Vandelli gibt es zwei Möglichkeiten, um die Sorapissgruppe zu umrunden – einmal entgegen dem Uhrzeigersinn über den Klettersteig Francesco Berti, das ist der etwas kürzere Weg - oder im Uhrzeigersinn. Wie oben erwähnt fiel die erste Variante aufgrund der Sperrung aus, so dass wir den längeren Weg über die Via Ferrata Vandelli und das Bivacco Comici nehmen mussten. Der Klettersteig Alfonso Vandelli verläuft unterhalb des mächtigen Col del Fuoco in nordöstlicher Richtung und lag deshalb morgens noch im Schatten. Der Steig war angenehm zu klettern und man hatte fast die gesamte Zeit den türkisfarbenen Lago del Sorapiss im Blick. 

Danach hieß es wieder bis zum Bivacco Comici abzusteigen. Die Biwakschachtel war total verwahrlost, so dass eine Übernachtung nicht empfohlen wird. Der weitere T3-Weg Richtung Süden war dann allerdings sehr belastend, weil wir nun die gesamte Zeit der Sonneneinstrahlung von links und der Reflektion von rechts durch die Wärmestrahlung der Kalksteinmassive von Cime di Valbona und Punte Tre Sorelle ausgesetzt waren. Deshalb waren wir auch froh, als wir den spektakulären Kalksteinturm Torre dei Sabbioni passiert hatten und wieder in Latschenkiefergelände vordrangen. Der Abstieg zum Refugio San Marco (auf 1.823 m) durch eine Klamm war noch einmal anstrengend, aber kurz vor 17:00 Uhr hatten wir es geschafft und konnten 26 Radler zum Auffüllen unserer Flüssigkeitsspeicher bestellen. Es gab sogar die Möglichkeit eine warme Freiluftdusche zum Schnäppchenpreis von 5€ pro Duschvorgang zu nutzen, was gerne angenommen wurde, um den Staub und Schweiß des Tages abzuwaschen. Wo bekommt man sonst auf einer Berghütte warmes Wasser von der Sonne.

Das Rifugio ist wunderschön gelegen mit Blick übers Tal auf den Monte Pelmo. Zu unserem Lieblingsplatz wurde der kleine Pavillon, der direkt über dem Hang aufgebaut ist und einen schönen Blick ins Cadore-Tal bietet. Dort haben wir nach dem Abendessen noch bis zum Sonnenuntergang gesessen, geklönt und etwas getrunken. 

6. Tag (Fr., 14.8.): Rifugio San Marco – Rifugio Gelassi – Rifugio Antelao (Total: 13,5 km, 1.090 m ↑, 1.100 m ↓, 7,50 h)

Am Freitag hatten wir nochmal eine lange Tour vor uns. Wir starteten kurz nach 7:00 Uhr, um in Richtung Antelao zu wandern. Bis zum Rifugio Pietro Galassi, ein eher wenig attraktiver Klotz, war der Weg recht angenehm. Auf der Rückseite des Rifugios wählten wir einen etwas zugewachsenen Pfad anfangs durch Latschenkiefern, im weiteren Verlauf durch Schotter und Fels, auf dem es steil bergauf ging. Die letzten 120 hm bis zum Sattel führte uns ein einfacher Klettersteig über einen ca. 45° geneigten Fels der Sonne entgegen. Auf dem Sattel blickt  man direkt auf den 3.264 m hohen Antelao, links die Reste des oberen Antelao-Gletschers. Der untere Antelao-Gletscher, auf den Karten noch eingezeichnet, ist mittlerweile verschwunden. Nach einer kleinen Mutprobe entlang des beidseitig ausgesetzten Grates mussten wir auf der Seitenmoräne des Gletschers über Schotterwege absteigen. Unterwegs war noch eine Felsstufe mit einer Kletterstelle 2. Grades zu überwinden, die allerdings auch mittels Fixseilen gesichert war. Irgendwann öffnete sich der Blick zum Cadore-Tal und dann war es nicht mehr weit bis zum Rifugio Antelao. 

Das Rifugio Antelao (1.796 m) ist eine Schutzhütte des CAI mit 25 Schlafplätzen. Als wir eintrafen, schallten bereits italienische Schlager aus der Küche und wir wurden zügig mit 2l-Gefäßen mit Radler versorgt. Am Ende standen 8 Gefäße mit diesem Getränk auf der Rechnung. Nach dem Abendessen, was wie in allen besuchten Hütten gut und reichlich war, konnten wir bei wolkenlosem Himmel auf der Terrasse einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen.

Ein besonderer Service von Livio Zanardo, dem Pächter der Schutzhütte, bestand darin, dass er uns für den nächsten Tag den Transfer zurück nach Sexten-Moos vermitteln konnte, und das zu einem wirklich guten Preis von 25€ p. P. Dafür noch einmal unseren besonderen Dank. 

7. Tag (Sa., 15.8.): Rifugio Antelao – Pieve di Cadore (Total: 8,7 km, 0 m ↑, 1.070 m ↓, 3,0 h)

Am Samstag stand die Abschlussetappe des Dolomitenhöhenweges nach Pieve di Cadore an. Aufstehen und Frühstück auf der Terrasse bei wolkenlosem Himmel und noch ein gemeinsames Gruppenfoto zusammen mit dem netten Team der Schutzhütte standen vor dem Aufbruch an. Der Abstieg ging recht zügig, so dass wir gegen 10:30 Uhr bereits in Pieve di Cadore ankamen. Pieve ist nicht nur durch seine beeindruckende Naturkulisse bekannt, sondern auch für seine kulturelle Bedeutung. Pieve ist der Geburtsort des berühmten Renaissance-Malers Tizian, der allgegenwärtig in dem Städtchen ist. So war es auch nicht verwunderlich, dass wir die Wartezeit bis zum Eintreffen unseres Transfers nach Moos im „Café Tiziano“ überbrückten.

Der Rest ist schnell erzählt: Der Transfer mit zwei Großraumtaxis funktionierte perfekt, so dass wir nach ca. einer Stunde in Moos angekommen waren. Für die letzte Übernachtung hatte Wolfhard Zimmer im Hotel „Croda Rossa“ in Schluderbach gebucht, wo wir den Nachmittag im Liegestuhl und den Tag mit einem Abendmenü vom Büfett beschließen konnten.

Als Resümee unserer Tour kann gesagt werden: Mit 13 Teilnehmern waren wir eine große Gruppe, die viel Spaß miteinander hatte. Der Weg war durchaus anspruchsvoll und anstrengend, aber am Ende haben alle verletzungsfrei das Ziel erreicht. Organisatorisch hat alles gut funktioniert und ich möchte Wolfhard im Namen der ganzen Gruppe für die gute Organisation danken. Wir freuen uns schon auf die nächsten Bergerlebnisse in 2027.

Bericht: Arnim Robota