Elf Freunde | © Dagmar Karthaus

Klettersteigtour in den Dolomiti di Brenta (02.-09.08.2026)

09.10.2026

„11 Freunde sollt Ihr sein“ – so bricht Anfang August ein buntgemischter Trupp aus elf alten Hasen sowie Newcomern der Hochtourengruppe DAV Solingen auf nach Norditalien, ins Trentino. Namentlich Arnim, Carsten, Claudia, Dagmar, Eberhard, Elke, Fred, Jürgen, Michael, Michaela, und Peter.

Den Auftakt bildet ein zünftiges Abendessen mit Tiroler Spezialitäten in einem Bozener Biergarten. Nach einer Übernachtung in der dortigen Jugendherberge erfolgt die Anreise ins eigentliche Brenta-Gebiet. Allerdings muss erst noch ein Parkplatz gefunden werden, wo wir unsere Autos günstig 😏 und sicher für die Dauer einer Woche abstellen können, zumal ein Fahrzeug einen defekten Schließmechanismus hatte und mit den anderen quasi Blech an Blech geparkt werden musste…

Die Wanderung startet dann in Madonna di Campiglio an der Talstation der Grostè-Seilbahn.  Natürlich (!) lassen wir die Seilbahn links liegen und steigen zu Fuß mit kompakt gefüllten Wanderrucksäcken und bei molligen 24°C zu unserem ersten Domizil, dem Rifugio di Graffer (2261 m ü. NHN) auf (ca. 6 km, +740 hm). Das 11‑Mann‑Zimmer 🤪 ist schnell bezogen. Den Nachmittag lassen wir gemütlich in einem der verfügbaren Liegestühle mit Panoramablick in das Tal und auf die dahinterliegenden Berge der Adamello-Presanella-Gruppe ausklingen. Über uns ragt der zerklüftete Pietra Grande (2.936 m), dem wir am nächsten Tag näher kommen werden.

Nach einer zu kurzen Nacht mit Geräuschkulisse 💤, machen wir uns am nächsten Morgen voller Vorfreude auf zur ersten Ferrata – dem Sentiero Gustavo e Natale Vidi (Schwierigkeitsgrad A/B). Der Aufstieg erfolgt  vorbei am Rifugio Stoppani, durch alpine Wiesenlandschaft, dann hoch in den Fels und über ein Band zu den ersten Versicherungen auf 2653 hm. Wir folgen dem Weg, der den grandiosen Westhang des Pietra Grande überquert. Der Abstieg erfolgt über mehrere Leitern. Auf einer Wiese mit Bergblumen und Edelweiß 😍 machen wir Mittagsrast. Zur stimmungsvollen Untermalung trägt ein Teilnehmer eine musikalische Klamotte der Kultband Insterburg&Co. aus 1968 vor (..aufgezeichnet und das Video schon 1000-fach geliked..).

Ein Teil der Gruppe unternimmt noch einen Abstecher, um über den Pass Bocchetta dei Tre Sassi auf die andere Seite des Kamms zu gelangen und einen Blick ins wunderschöne Val di Non zu erhaschen. Allerdings gehen Auf- und Abstieg durch steiles rutschiges Geröll - Wanderstöcke sind definitiv von Vorteil! Mit insgesamt 12,3 km Strecke (+820 hm, -770 hm) erreichen wir wieder das Rifugio Stoppani, wo wir uns auf der großen Holzterrasse ein kühles Weizen oder alternativ eine Sambuco (Holundersirup‑Schorle) gönnen, bevor wir hungrig ins Rifugio Graffer zum leckeren Abendessen absteigen.

Am dritten Tag steht der Hüttenwechsel an. Mit komplettem Gepäck brechen wir morgens auf und wandern zunächst an Almwiesen und mit niedrigen Kiefern bewachsenen Abschnitten vorbei, bis sich die Landschaft immer dramatischer verändert: Die Vegetation weicht kargen Geröllfeldern, die Felswände werden steiler und monumentaler. Glücklicherweise liegen entlang unserer rund 12 km langen und 1300 hm umfassenden Etappe die Rifugi Tuckett und Brentei – willkommene Orte für eine kurze Erfrischung, bevor wir bei ungewöhnlich warmen Temperaturen den letzten steilen Aufstieg zum Rifugio Alimonta (2580 m ü. NHN) bewältigen. Am Ziel eröffnet sich uns spektakulär ein durch Gletschereis geformtes Amphitheater: die Sfulmini-Mulde. Wir checken im Rifugio Alimonta ein, das für die nächsten drei Nächte unsere Herberge sein wird. In der Abendsonne sitzen wir gemeinsam mit vielen anderen internationalen Gästegruppen auf dem Steinplateau und genießen das Gefühl, im Herzen der Brenta angekommen zu sein.

Der nächste Tag wird das Highlight unserer Tour: früh am Morgen geht es hoch, am (leider schwindenden) Gletscher Lares vorbei, zum Einstieg in die Ferrata Via delle Bocchette Centrale (Schwierigkeitsgrad B, Variante B/C). Der Einstieg über Leitern sieht zunächst ehrfurchtserregend aus, ist aber absolut machbar, und schon bald wird aus kurzzeitiger Nervosität echter Spaß am Abenteuer. Die Route verläuft im Angesicht majestätischer und eindrucksvoller Gipfel wie dem Cima Brenta Alta, dem Campanile Basso und Alto, der Torre di Brenta und dem Crozzòn, in luftiger Berghöhe (2.500 bis 2.800 m) über Felsbänder, welche stark exponiert sind. Die Nicolini-Variante (B/C) am Ende des Steigs ist noch relativ neu und ermöglicht uns die Querung einer plattigen Felszone auf Krampen für einen direkteren Zugang Richtung Rifugio Pedrotti. Dort wollen wir eine kurze Rast einlegen und uns bei Apfelstrudel und Co. stärken, bevor es auf der Ferrata Felice Spellini wieder in Richtung Alimonta-Hütte gehen soll. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es kommt Wind auf und für die Region werden Regen und Sturm angekündigt.

Nach einigem Hin und Her und mit schwerem Herzen entscheiden wir uns für einen sichereren alternativen Rückweg. Durch die Bocca di Brenta (Gebirgspass) führt uns der Pfad bei immer stärker werdendem Regen über nunmehr rutschige Felslandschaften, vorbei an den Campanile Basso und Alto, hinunter zur Brentei‑Hütte. Da der Regen zu dem Zeitpunkt abschwächt, nehmen wir ohne langen Aufenthalt direkt den Aufstieg zur Alimonta-Hütte in Angriff. Erschöpft kommen wir am Spätnachmittag an und stürmen die Duschen, die – by the way – sowohl in der Alimonta-Hütte als auch im Rifugio Graffer mit Münzen auf ein ca. 3 min. Zeitfenster beschränkt sind – erfrischen tut’s trotzdem. Ein leckeres Hüttenessen und wir gehen ins Bett - mit bangem Blick auf die Wettervorhersage.

Unser vorletzter Tag in den Bergen ist rasch erzählt, Gewitterwarnung, Regen und fernes Donnergrollen machen unsere Klettersteig-Pläne zunichte, die Einzelnen vertreiben sich die Zeit wahlweise mit Kartenspielen, Kaiserschmarr’n oder einem Ausflug zur Brentei-Hütte. Ein verwegener Mitstreiter ergreift nach 17 Uhr bei aufziehendem Himmel doch noch die Gelegenheit für eine Klettersteig-Tour. Er kommt mit beseeltem Lächeln zurück, und der Rest der Gruppe freut sich mit ihm, dass es geklappt hat. 😊

Am 8. August geht es dann frühmorgens auf den Abstieg mit 1450 hm Differenz durch die bald wieder üppig grüne Landschaft; schön insbesondere die ins Tal stürzenden Wasserläufe auf dem letzten Streckenabschnitt. Gelegenheit für ein Fuß- bzw. Ganzkörperbad 😉 im kalten Bergbach gibt es auch. Im Tal geht es mit dem Bus zum Autoparkplatz, von da aus nach Brixen, wo sich 11 Bergfreunde einen letzten gemeinsamen Abend in einem wunderbaren Restaurant gönnen.

Fazit: Die Brenta bleibt in Erinnerung wie ein alter Freund – Sonne, Felstürme, Klettersteige - wir kommen wieder !

Text: Dagmar Karthaus